Dienstag, 25. Juni 2013

Buchempfehlung: Max Brooks "World War Z / Operation Zombie"

Autor Max Brooks

Ja, ich weiß: im Kino läuft gerade die Verfilmung an, die den Kritikern nach wenig mit dem Buch gemein hat. Nach der Lektüre des Romans ist auch klar, dass das ein schwieriges Unterfangen ist, aber dazu gleich mehr. Aber schon einmal vorweg ein kurzes Statement zum Buch: es ist verdammt gut!

Max Brooks ist der 1972 geborene Sohn des Komikers Mel Brooks und der Schauspielerin Anne Bancroft. Eigentlich wäre da eine Showbiz-Karriere vorprogrammiert und tatsächlich schreibt Brooks Comedies in Hollywood. Ungleich bekannter wurde er aber durch seinen in Deutschland 2010 erschienen Ratgeber "Der Zombie Survival Guide", in dem er mit tödlichem Ernst Vorbereitung, Verhalten und vor allem das Überleben der Zombie-Apokalypse beschreibt. Kurzum: ein humoristisches Meisterwerk!

Brooks hat an den Wandelnden Toten offensichtlich einen Narren gefressen, denn neben dem erwähnten Ratgeber erschienen aus seiner Feder noch die Kurzgeschichtensammlung "Zombieparade" sowie das nun verfilmte "Operation Zombie".

Wir alle kennen die einschlägigen Fernsehsendungen und Sachbücher, die Zeitzeugenberichte aus allen Bevölkerungsgruppen versammeln und diese möglichst unkommentiert für sich selbst sprechen lassen. Dieses Stilmittel greift Brooks auf, um in chronologischer Folge die weltweite Zombieinvasion darzustellen. Dabei ist die Situation überhaupt nicht neu. Die Geschehnisse sind eine Melange aus allen Zombieklassikern von "I
walked with a Zombie" von 1932 bis zum aktuellen Serial "The Walking Dead" (übrigens eine Comicverfilmung). Soweit ist alles bekannt: schlurfende, stöhnende, verwesende und nur noch teilweise komplette Untote machen Ballungsräume und ländliche Gegenden unsicher. Sie können nur durch gezielte Kopfschüsse gestoppt werden und dezimieren die Weltbevölkerung in erschreckendem Maße. Natürlich führen Bisse der Untoten zur Infektion der Lebenden, die sich dann ebenfalls in mordgierige Freßmaschinen verwandeln, und natürlich werden die Gebissenen, die nicht umgehend vor den Untoten fliehen können, von diesen umgehend verspeist. So bekannt, so gut, so unoriginell.

Sie werden sich jetzt fragen:" Das soll eine Empfehlung sein?" und bis hier hätten Sie recht. Denn nicht die Erzählung dessen, was passiert, sondern die Schilderungen darüber, was die einzelnen Nationen unternehmen, um der Seuche Herr zu werden - das ist der ganz große Wurf des Buches. Natürlich wird das Militär eingeschaltet, aber erfolglos auf allen Seiten. China zum Beispiel versucht die ersten Vorfälle zu vertuschen; Israel isoliert sich freiwillig hinter hohen Mauern und strengsten Kontrollen; Südafrika reaktiviert den sogenannten "Redeker-Plan" aus Zeiten der Apartheid; Russland ermordet seine Bevölkerung; Kapitalisten schlagen aus der Seuche mit unwirksamen Mitteln Riesenprofite. Und je mehr ich über diese Maßnahmen lese, desto mehr habe ich den Eindruck, das hat alles mit aktuellen politischen Situationen und Systemen zu tun. Und genau so ist es auch, und das ist die Stärke des Buches: es entlarvt die Welt und seine Bewohner und steht damit in bester Tradition dessen, was mit der seinerzeit unverstandenen Kapitalismuskritik "The Night of the Living Dead" von George Romero von 1968 begann.

Wenn Sie im geplanten Urlaub Lust auf eine Politsatire im Horrorgewand haben - dann lesen Sie dieses Buch!

Ach so...natürlich habe wir es da. Wir schlurfen gerne stöhnend zum Regal und suchen es Ihnen heraus...aber wir beissen nicht!

Max Brooks
"World War Z / Operation Zombie"
Goldmann TB, € 8,99