Dienstag, 30. April 2013

Barbara Vine: Der schwarze Falter


Als der gefeierte Schriftsteller Gerald Candless stirbt, verliert die Welt einen Meister der Worte, die Töchter verlieren den abgöttisch verehrten Vater, seine Frau muss den Mann entbehren, um den bislang ihr Leben kreiste.  Während die Töchter Sarah und Hope zerstört sind, blüht die Witwe Ursula auf und lernt in winzigen Schritten, die Hölle ihrer Ehe hinter sich zu lassen. Doch Sarah nimmt den Auftrag an, eine Biografie über ihren Vater zu schreiben, und setzt damit ungewollt einen Prozess in Gang, an dessen Ende die drei Frauen der Familie sich mit schockierenden Enthüllungen auseinandersetzen und ihr Weltbild neu ordnen müssen.

Barbara Vine ist das Pseudonym, unter dem die berühmte Kriminalautorin Ruth Rendell psychologische Spannungsromane schreibt. In Der schwarze Falter steht ganz konsequent auch nicht die Aufklärung eines Mordes im Mittelpunkt, sondern der schmerzhafte Prozess der Erkenntnis, das jeder Mensch ein Geheimnis zu verbergen hat. Das mag banal klingen, wird von der Autorin jedoch detailliert und plausibel geschildert. Jede Figur bekommt Raum, die Perspektiven wechseln, um sich zu einem schlüssigen Gesamtbild zu vereinen. 

Das schändliche Geheimnis des Schriftstellers mag uns aufgeklärten und toleranten Menschen heutzutage wenig dramatisch erscheinen, doch die Konsequenz, die es besonders auf Geralds Frau Ursula hat, wird bedrückend geschildert. Ihren Kindern entfremdet, degradiert zur Managerin des Haushalts und zur offiziellen Frau an seiner Seite, ist Ursula nicht mehr als eine Schaufensterpuppe für den Schriftsteller, der auch noch lange nach seinem Tod im Hause Candless herrscht.

Unblutig, nach Innen gerichtet und dabei äußerst kurzweilig: Der schwarze Falter ist ein guter Tipp für diejenigen, die Elizabeth George früher einmal mochten, bevor sie zu redselig wurde.

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